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| Bild: Picturestation |
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22.11.2005
Wer andern eine Grube gräbt ...
Die Musikbranche steckt in einem Dauertief. Zur allgemeinen Verunsicherung von schädlicher Software von Sony haben sich nun auch noch Virenschreiber gesellt.
Eigentlich war die Kampagne 'Game over' der Musikindustrie von langer Hand vorbereitet. Mehrere Länder, darunter auch die Schweiz, kündigten Mitte November die Ausweitung von Klagen gegen Nutzer von Tauschbörsen an.
Gleichzeitig eskalierte der Skandal um die von Sony-BMG auf 5 Millionen CDs implementierte Software zum Urheberrechtsschutz. Die Software installiert vom Benutzer unbemerkt Überwachungsmechanismen auf dem PC des Benutzers, welcher die betroffenen CDs auf seinem Computer abspielen möchte. Der XTC genannte Kopierschutz öffnete aber gleichzeitig Hackern Tür und Tor auf die betroffenen PCs. Und sie war selbst geklaut. Für das entsprechende Programm verwendete Sony-BMG ohne Verweis Softwarebestandteile von unter der Open-Source-Licence stehenden Programmen. Manfred Gillig-Degfrave, Chefredakteur des führenden Branchenblattes Musikwoche, fasste die Situation in klaren Worten zusammen: "Die unerwünschten Nebenwirkungen des neuen Kopierschutzes, den Sony BMG in den USA einführen wollte und der Hackern Einfallstore in die Computer der Verbraucher öffnete, sind ein Desaster und nicht dazu angetan, das sowieso schon gestörte Vertrauensverhältnis zwischen Musikkonsumenten und Industrie zu verbessern."
Vor Monatsfrist kündigte die Schweizer IFPI an, "Raubkopierer" mit Instant Messages zu verwarnen. Ab mitte November würden Klagen folgen. Wie genau die von der IFPI als Zielgruppe definierten "erwachsenen Personen" aufgrund ihrer IP-Adresse eruiert werden sollen, hat die IFPI nicht bekanntgegeben.
Diese mangelnde Transparenz nutzen seit zwei Tagen auch Virenschreiber für ihre Zwecke. Als Nachrichten der Musikindustrie getarnte Abmahnungen verbreiten den Virus W32.SoberX. Niemand wundert es, dass der Virus gerade in der Schweiz besonders verbreitet ist.
So kam es, dass die IFPI Schweiz, sonst nicht gerade sehr mitteilungsbedürftig, heute bereits zum dritten Mal innert Monatsfrist den Kontakt an die Öffentlichkeit suchte. Der Branchenverband warnt nun ausdrücklich vor den E-Mails. "Raubkopierer, die eine Klage der Musikwirtschaft fürchten müssen, bekommen die Schreiben ausschliesslich per Post zugestellt. E-Mails mit diesem Titel sollten daher ohne Bedenken gelöscht werden", betont die IFPI Schweiz.
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