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Stories

38 Songs gegen die verschärfte Asyl- und Ausländerpolitik – Der Sampler «Rock Down»
Bild: Michael Vetsch
11.06.2006
Rock gegen das neue Asylgesetz

Insgesamt 38 Bands aus der ganzen Schweiz beteiligen sich an einem Sampler gegen die verschärften Asyl- und Ausländergesetze. Am 7. Juni gaben sie in Bern Auskunft über die Beweggründe zum Protest. Und skizzierten ihr eigenes Bild der Schweiz.

Das Café Kairo im Berner Lorraine-Quartier war ein passender Ort für die Zusammenkunft der Rapper Greis und Nega, der Musikerin Suzanne Zahnd und des Schriftsteller Pedro Lenz. Schliesslich ging es darum, den Sampler «Rock Down» gegen das neue Asylgesetz und das neue Ausländergesetz vorzustellen, die am 24. September zur Abstimmung gelangen. «Das Überraschende bei der Zusammenstellung des Samplers war, dass darauf ein ganz und gar neues Bild der Schweiz entworfen wird: Ein Land der fremdländischen Namen und offenen Grenzen», begann Christian Trunz, der die CD koordiniert hat. Die meisten der beteiligten Musiker seien mit Secondos aufgewachsen und von ihnen musikalisch beeinflusst. Oder seien selbst Secondos. «Sie kennen die Realität in der Schweiz 2006 weit besser kennen als die populistischen Stimmungsmacher. Deren Verschärfungen, etwa das Nichteintreten bei Papierlosigkeit im Asylgesetz oder die juristische Diskriminierung von Menschen ausserhalb Europas im Ausländergesetz, sind dagegen die Absage an jede humanitäre Tradition.»



Unerwartete Dynamik

Im vergangenen Winter kursierten unter Musikern erstmals SMS mit der Idee, einen Sampler gegen die Vorlagen zu lancieren. «Dass aber eine derartige Dynamik entstand, hätten wir uns nie erträumt», erzählte Trunz. Grosse Namen sagten zu: Züri West, Stiller Has oder Franz Hohler. Treibende Kräfte aus der Subkultur schickten Songs: Die Aeronauten, Allschwil Posse oder Fucking Beautiful. Für die politische Zugkraft sorgten nicht zuletzt Rapper wie Stress, Greis oder Nega. Nachdem das Intro zum Sampler, eine neue Nationalhymne des selbst ernannten Superschweizers Gimma, verklungen war, kamen die anwesenden Musiker auf ihre Beweggründe zum Protest zu sprechen. Er werde häufig angefragt, irgendwo mitzumachen, sagte Pedro Lenz. Weil er bei diesem Sampler aber einen unheimlichen Ernst seitens der jungen Initianten verspürt habe, sei er sofort dabei gewesen. «Die zynische Grundhaltung unserer Gesellschaft stört mich enorm. Zwar bin ich nicht Politiker und Prediger – aber die Volksmusik prägen wir Künstler und nicht die SVP».

Daran knüpfte Greis an: «Einfach noch ein Bier zu trinken und weiter keine Meinung haben, das bringt nichts. Ich will keine Kunst, die ins Harmlose abdriftet.» Wie salonfähig der Rassismus geworden sei, hätte er letzthin an einem Konzert in Spiez gespürt. «Als ich mit vier serbischen Jugendlichen sprach, fragten sie mich, ob ich etwas gegen Ausländer hätte. Diese Frage war für sie so normal, wie für uns jene, ob man gern Spaghetti habe.» Aus persönlicher Betroffenheit sprach der kamerunisch-schweizerische Doppelbürger Nega. Die beiden Gesetze würden Ausländer zweiter Klasse schaffen. Speziell diskriminierten sie jene aus Afrika. «Auch ich würde nach einer Annahme wohl benachteiligt werden.» Auf die tiefere Bedeutung der Fremdenfeindlichkeit verwies schliesslich Suzanne Zahnd. Die unheimlichen Fremden seien die heimlichen Vertrauten. «Der Rechtsbruch, den sie angeblich begehen, der Lärm, den sie machen, sind lediglich Projektionen unseres eigenen Verdrängten.»

Funkelnder Protest

Insgesamt 38 Songs, veröffentlichte wie neu aufgenommene, finden sich auf dem Sampler. Mit Rappern und Rockern aus allen Städten und Seitentälern ist er auch zum spannenden Querschnitt durch die aktuelle Musikszene der Schweiz geworden. Getauft wird der Sampler am Freitag, dem 16. Juni, mit einem Konzert von Patent Ochsner, King Kora, Greis sowie dem Möslang/Göldin/Gatsas DJ-Set im Dachstock der Berner Reitschule. Ab dann ist er auch im Handel erhältlich. «Wir hoffen auf eine lange, fröhliche Nacht. Und auf möglichst viele, die am nächsten Tag auch an die nationale Demo gegen die Blocherschweiz und für eine menschliche Migrationspolitik auf den Bundesplatz kommen», meinte Trunz. Auf einen finanziellen Gewinn und auf die Anbindung zu einer politischen Partei haben die Musiker bewusst verzichtet. «Wir werfen den Sampler in die Debatte und hoffen, dass er den Protest Funken sprühen lässt, ja zum Soundtrack für den kommenden Sommer avanciert», sagte Trunz. «In der Westschweiz, wo ich als Kind aufgewachsen bin, nennt man Blocher den grossen Neinsager. Nun ist es an uns, zweimal laut und wütend Nein zu sagen», schloss Greis.


Kommentare:
Kommentar von cortesfa vom 15.08.2006:
Sehr gute Aktion! Plenty Enuff, auch auf dem Rock Down Sampler, spielt am 9. September 2006 zusammen mit zwei regionalen Bands live in der Remise Wil gegen das neue Asylgesetz. Mehr auf: www.politakt.ch
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