 |
| Depeche Mode auf der Grande Scène |
| Bild: iw |
|
22.07.2006
Paleo mit Hitzerekord
Gestern ging in Nyon das 31. Paléo Festival zu Ende. Die 225'000 Tickets gingen wieder einmal in Rekordzeit schon im Vorverkauf weg. Das Programm war dieses Jahr voll auf Rock ausgerichtet. Dennoch fehlten natürlich die frankophonen Acts nicht, und unter dem Motto "Osteuropa" traten auch Zigeuner- und Balkan-Künstler, wie etwa die schrägen Vögel von Gogol Bordello, auf.
roz. So heiss war es am Paléo noch nie. Als die Dandy Warhols am Mittwoch um 18 Uhr die Hauptbühne betraten, brannte die Sonne immer noch mit voller Kraft vom Himmel und sorgte für über 30 Grad. Auf dem Gelände staubte es gewaltig, denn die Menschenmassen sind beim Paléo ständig in Bewegung. Ab halb neun spielten die britischen Goldfrapp den Sonnenuntergang herbei. Das Duo, bestehend aus Will Gregory und Alison Goldfrapp, wurde durch einen Schlagzeuger, einen Bassisten und eine Keyboarderin unterstützt. Die Songauswahl lag schwerpunktmässig beim neuen Album, das bekanntlich etwas gradliniger ist als die beiden ersten. Der Glamour-Elektro-Pop mit den stampfenden Rhythmen erwies sich denn auch als sehr festivaltauglich. Will Gregory setzte sich als Gitarrist, Keyboarder und an der elektrischen Violine in Szene, während Alison mit ihrem lasziv unterkühlten Gesang überzeugte. Goldfrapp lieferten einen perfekten Gig ab und brachten das Publikum in die goldrichtige Stimmung für den Headliner des Tages, Depeche Mode.
Ohne Überraschungen
Mit wummerndem Trance-Intro kündigten sich die Wave-Pioniere an. Direkt vor der Bühne waren die Bässe während des ganzen Konzertes so laut, dass man den Rest fast gar nicht mehr wahrnahm und sich auch um die Stabilität der Bühnenkonstruktion sorgte. Weiter hinten war der Sound um einiges angenehmer. Dennoch wurde schnell klar, dass die Band um Sänger Dave Gahan nicht ihren besten Tag erwischt hatte. Allzu routiniert spulten sie ihr 100-minütiges Programm ab. Die neuen Songs bewähren sich dabei neben den alten Klassikern - richtige Überraschungen aber blieben aus.
Tropisches Klima
Das Chapiteau stand am Mittwoch ganz im Zeichen des Reggaes. Als einer der Vertreter der französischen Electro-Dub-Welle trat am frühen Abend die Lyoner Formation High Tone auf. Sie führt auf interessante Weise Jungle, elektronische Elemente und orientalische Einflüsse mit Reggae zusammen. Der daraus entstehende Dub verfehlte seine Wirkung nicht und veranlasste zahlreiche Besucher - trotz des tropischen Klimas - ihre Hüften im hypnotischen Rhythmus zu bewegen. Den Abschluss des Abends bildete hier der umjubelte Auftritt von Ziggy Marley, 38-jähriger Sohn des legendären Bob Marley.
Weltreise des Gaumens
Neben der Musik ist am Paléo auch das Angebot an Kulinarischem immer wieder eine Attraktion. An über 100 verschiedenen Imbissständen und Bars werden Spezialitäten aus der ganzen Welt angeboten (Mexiko, Malaysia, Thailand, Indien, und und und) . Einzigartig ist auch ein Restaurationskonzept, wo man sich am Tisch bedienen lassen kann. Eine ganze Reihe kleiner Restaurants mit drei bis vier Gerichten im Angebot (beispielsweise Fondues, Fleischplättchen, orientalische Gerichte im Couscous, italienische Grilladen sowie Fleisch-, Fisch- und Gemüse-Tartares) bedienen ihre Gäste rasch: In 30 bis 40 Minuten, so dass man ja nichts vom Musikprogramm verpasst...
Umweltgerecht
Das Paléo Festival verfolgte dieses Jahr eine bewusstere Umweltpolitik. Erstmals gab es in der Nacht Zugverbindungen von Nyon in alle grösseren Städte der Romandie. Vergangenes Jahr sind nur rund 27% der Festivalbesucher mit dem öffentlichen Verkehr angereist. Mit dem neuen Angebot will das Paléo diese Zahl bis in drei Jahren auf 40% steigern.
Abfalltrennung
Grosses Augenmerk galt auch der verstärkten Abfalltrennung. Schon vergangenes Jahr konnten 32% der insgesamt 248 Tonnen Abfälle rezykliert werden. Mit neuen Massnahmen - wie etwa der Wiederverwertung der Plastikbecher - will das Festival auch hier den Anteil auf 40% erhöhen.
|