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29.08.2007
Neues Promotion Tool
(roz) Die Musikindustrie hat sich einen neuen Scherzartikel einfallen lassen, um den Niedergang der CD voran zu treiben. Neuerdings werden Musik-Journalisten nicht mehr mit CDs bemustert. Die Songs sind nun auf dem so genannten Music Promotion Network (kurz MPN) aufschaltet, wo man sie, vorausgesetzt die Firewall steht einem nicht im Weg, in lausiger Qualität anhören, nicht aber runterladen kann.
Bis vor kurzem war es so, dass die Plattenvertriebe der schreibenden Zunft CDs zu Promotionszwecken zur Verfügung stellten. Wenn man Glück hatte sogar noch bevor sie in den Verkaufsregalen standen. Bei EMI, Musikvertrieb, Sony/BMG, Universal und Warner soll damit jetzt Schluss sein. Seit dem 1. August ersetzt die "digitale Musikplattform MPN" (wie es in einer Medienmitteilung heisst) die physische Bemusterung. Dies stellt einen Schreiberling wie mich vor ein mittelgrosses Problem. Denn herunterladen kann man die Soundfiles nicht. Nun verfüge ich aber weder über ein geeignetes Umfeld, noch über die Zeit, um mich für die Dauer eines Albums vor dem Computer zu installieren. Hinzu kommt ja noch, dass ich entgegen einer weit verbreiteten Meinung die meisten CDs mehr als nur einmal anhöre, bevor ich etwas dazu schreibe. Und wie jeder normale Mensch mache ich neben dem Musikhören meist auch noch etwas anderes. Zum Beispiel Frühstück essen. Oder im Tram zur Arbeit fahren. Bereits 1979 erfand Sony zu diesem Zweck den Walkman, in den 90ern kamen die tragbaren CD-Spieler, heute sind es mp3-Player. Das ist äusserst praktisch, denn im beruflichen Stossverkehr kann ich selten einen Sitzplatz im Tram ergattern, so dass ich mit dem Laptop auf den Knien im MPN surfen könnte. Und so ist diese neue Art der Bemusterung nicht wirklich eine Alternative zum iPod. Und Zmörgele werde ich auch nicht neben dem Computer. Ich hasse Brotkrümel in der Tastatur.
So wie mir geht es bestimmt auch manch anderem Musik-Journalist. Jedenfalls geht ein Aufschrei der Entrüstung durch zahlreiche Redaktionen. Einige Medien sprechen gar von Boykott. Naja, wir hier bei music.ch sind ja im Grunde gar keine echten "Musik-Journalisten". Entgegen einer weit verbreiteten Meinung machen wir das hier bei music.ch in unserer Freizeit. Weils uns Spass macht. Aber so wie sich die Plattenindustrie das vorstellt, macht es keinen Spass mehr. Vor allem auch, wenn die Bitrate der Soundfiles so erschreckend niedrig ist auf der digitalen Musikplattform. Eine Redakteurin der Berner Zeitung schreibt über die Hörproben auf dem MPN: "Die Qualität, mit der die Alben auf dem Internet angehört werden dürfen, ist mit 32 Kbps dermassen schlecht, dass eine Einschätzung der Produktion schlicht nicht mehr möglich ist."
Hier waren offensichtlich mal wieder Schreibtischtäter am Werk, die keinen Bezug zur Praxis und wahrscheinlich nicht mal zu ihren eigenen Produkten haben. Dass die Musikindustrie neue Wege suchen muss, um den sinkenden Verkaufszahlen entgegenzuwirken und auch der Piraterie einen Riegel zu schieben, ist wohl unbestritten. Aber ob das Music Promotion Network da eine gute Lösung ist?
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