Die Musik auf “Wilful Confusion” hat Elemente von Breakbeat, Acid, Techno, Electro und Dub, doch nicht alle Sounds sind leicht einzuordnen. Der Grundgedanke hinter dem Album war, in der Entwicklung der elektronischen Musik einen Schritt zurück zu machen in eine Zeit, in der sich die Stile in hohem Tempo veränderten, bei einigen dieser Zeiterscheinungen anzuknüpfen und sie in unerforschte Richtungen weiterzuentwickeln. Herausgekommen ist ein Sound wie aus einer alternativen Zukunft, die nie stattgefunden hat, und so strahlt er wiederum eine Retro-Stimmung aus. Die Abwechslung unter den Stücken ist gross, doch verweisen wiederkehrende Eigenwilligkeiten darauf, dass nur ein Kopf hinter der Musik stecken kann.
Piquet: Yves Lenzin, 1976, aus Baden (Schweiz). Als er mit acht Jahren Flötenstunden nahm, spielte er lieber der Lehrerin seine eigenen Kompositionen vor, als zu üben. Bald kehrte er dem Instrumentalunterricht den Rücken zu und entdeckte im Jahr 1990 den Spass am Produzieren elektronischer Musik auf Vaters Atari. Seine frühen Experimente entwickelten sich zu einer Variation dessen, was damals Hardcore Techno hiess. Die Erweiterung der Gerätschaften um ein Yamaha-Keyboard und die Annahme des Alter Egos T-Shit leiteten eine Wandlung zu stärker am Pop orientierten Sounds ein, während Deaf Fretsaws, eine Zusammenarbeit mit Schulfreund Marco Arni, experimentellere Gründe erforschten. 1994 trat Yves auch als Sänger und Songschreiber der Popgruppe Heidi Jam in Erscheinung, doch das Quartett löste sich nach nur einem Konzert auf.
Yves unterbrach seine Soloproduktionen Anfang 1997, als sich Sacha Gebert, Martina Lenzin und ihr Bruder Yves zur New Wave/Industrial-Band Subyouth zusammen taten, wo Yves einen Roland S-50 Sampler einsetzte und gelegentlich die zweite Gitarre spielte. Das Projekt war ambitiös und produktiv, löste sich aber nach drei Jahren wegen geografischer Zerstreuung auf. Für eine kurze Zeit schloss sich Yves der Gothic-beeinflussten New Wave-Band Fenris an, zog dann für ein halbes Jahr nach Lettland und rief nach seiner Rückkehr in die Schweiz mit der Sängerin Linda Deubelbeiss das Trip Hop/Indie-Projekt S.C.O.T.U. (Secret Center Of The Universe) ins Leben.
Weil unregelmässiges Proben S.C.O.T.U. ins Stocken brachte, konzentrierte sich Yves darauf, auf seinem Laptop Musik zu produzieren, was schliesslich zu seinem neuen Soloprojekt geführt hat. Den neuen Abschnitt begann er unter neuem Namen, wobei er sich auch als DJ bereits Piquet genannt hatte (in Anspielung an seine Beigeisterung für den brasilianischen Formel 1-Fahrer Nelson Piquet als Junge). Wie früher verliess sich Yves wieder auf eine minimale Ausrüstung und baute seinen Sound auf manipulierten Samples und Synthielinien auf. Zum ersten mal fühlte er sich nun fähig, elektronische Tracks zu produzieren, die keine zusätzlichen Elemente benötigen. Im Mai 2004 entstand der erste Track der Piquet-Ära, der zu Yves’ Entscheidung führte, mit der Arbeit an einem ganzen Album zu beginnen. Das Ergebnis des Prozesses heisst “Wilful Confusion” und wurde im Winter 2005/06 vollendet.
Kaum hatte Yves “Wilful Confusion” fertig abgemischt, produzierte er neue Tracks und nahm dazu seinen Gesang auf, wobei cooler und sphärischer, wilder und rauer, doch immer clubtauglicher Synth-Pop entstanden ist. Der erweiterte Ansatz ist ein logischer Schritt angesichts der verschiedenen Sounds, die Yves beeinflusst haben. Es ragen hervor: Die britische Hardcore Breakbeat-Szene der frühesten Neunziger Jahre; EBM und New Beat aus Belgien sowie früher Frankfurter Techno; Crossoverbands der späten Achtziger wie Meat Beat Manifesto, Pop Will Eat Itself und The Shamen; und Indiebands aus den Shoegaze- und ‘Madchester’ Rave-Szenen.